Es gibt unterschiedliche Arten von Vollmachten – von der einfachen Postvollmacht, über die Bankvollmacht bis zur Generalvollmacht und zur Vorsorgevollmacht. Für alle Arten von Vollmachten gilt: Wer einer anderen Person eine Vollmacht in die Hände gibt, muss wissen, dass die Vollmacht nach außen hin uneingeschränkt gilt. Sie können die Vollmacht ändern, aber nicht ohne dies in der alten Vollmacht zu vermerken. Ein Dritter, dem die Vollmacht vorgelegt wird, ist also generell dazu verpflichtet, Erklärungen des Bevollmächtigten zu akzeptieren. Laut § 172 BGB bleibt die Wirkung einer Vollmachtsurkunde so lange bestehen, bis diese dem Vollmachtgeber zurückgegeben wurde oder von einem Gericht für kraftlos erklärt wurde.

Alte Vollmacht widerrufen

Im Laufe der Zeit kann sich das persönliche Verhältnis zwischen Vollmachtgeber und Bevollmächtigten ändern. Auf die Wirksamkeit der Vollmacht hat dies in der Regel keine Auswirkung. Wer verhindern möchte, dass seine Vollmacht missbraucht wird, muss diese ausdrücklich widerrufen. Die Widerrufserklärung muss gegenüber dem Bevollmächtigten abgegeben werden. Zu Nachweiszwecken sollte der Widerruf einer Vollmacht immer schriftlich erfolgen mit einem Zustellungsnachweis. Nutzen Sie beispielsweise ein Einschreiben oder einen Boten, um im Streitfall belegen zu können, wann der Bevollmächtigte den Widerruf erhalten hat. Gleichzeitig sollten Sie ihn zur Rückgabe der Original Vollmacht auffordern.

Vollmacht ändern, erweitern oder beschränken

Wenn Sie die Vollmacht nicht vollständig widerrufen, sondern nur ändern wollen, können Sie diese Änderung theoretisch auch direkt in der Original Vollmacht vornehmen, soweit das Format dies erlaubt. Oft werden aber handschriftliche Ergänzungen oder Streichungen dazu führen, dass von Dritten Zweifel an der Gültigkeit der Vollmacht angemeldet werden. Bei einem Wunsch nach Änderung der Vollmacht ist daher zu empfehlen, eine ganz neue Vollmacht aufzusetzen und die alte zu vernichten. 

Hinzu kommt, das nur privat erstellte Vollmacht handschriftlich geändert werden können. Eine notariell beglaubigte oder beurkundete Vollmacht darf nicht handschriftlich ergänzt oder geändert werden. In dem Fall müsste also die Vollmacht widerrufen werden. 

Besonderheit: Widerruf von notariellen Vollmachten 

Auch eine notarielle Vollmacht können Sie gegenüber dem Bevollmächtigten widerrufen. Sie müssen den Widerruf also nicht etwa beim Notar erklären, außer dies war in der Vollmacht ursprünglich so vereinbart. Allerdings sollte der Notar vom Widerruf informiert werden. Handelte es sich beispielsweise um eine notarielle Vorsorgevollmacht, dann wird diese beim Vorsorgeregister der Notarkammer geführt. Der Notar müsste den Eintrag löschen lassen. 

Herausgabe der Vollmacht einklagen

Weigert sich der Bevollmächtigte, die Vollmachtsurkunde herauszugeben, dann bleibt dem Vollmachtgeber nur der Klageweg. Sollte der Verbleib der Vollmacht nicht geklärt werden können, kann sie vor Gericht für kraftlos erklärt werden. Alternativ können Sie den Vollmachtnehmer auf Herausgabe der Vollmacht verklagen. 

Tipp: Eine Vorsorgevollmacht soll erst zum Einsatz kommen, wenn Sie selbst aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht mehr entscheiden können. Wenn Sie eine Vorsorgevollmacht aufsetzen, dann müssen Sie diese dem Bevollmächtigten nicht direkt aushändigen. Sie können diese auch bei sich aufbewahren und den Bevollmächtigten über den Aufbewahrungsort informieren. Dieser hätte dann im Ernstfall Zugriff darauf. Wenn Sie aber zwischenzeitlich aber Ihre Meinung ändern, können Sie die Vollmacht jederzeit selbst vernichten.