Der Kauf einer Wohnimmobilie ist für viele Menschen nicht nur eine Geldanlage. Viele planen, irgendwann einmal selbst in die Eigentumswohnung oder das Einfamilienhaus einzuziehen. Eine Eigenbedarfskündigung ist jedoch nicht immer möglich.

Wer darf Eigenbedarf anmelden?

Das Wort Eigenbedarf legt zunächst nahe, dass nur der Vermieter selbst die Wohnung für sich beanspruchen darf. Der Gesetzgeber weitet den Personenkreis jedoch aus. § 573 BGB nennt ausdrücklich noch die Familienangehörigen oder Angehörige seines Haushalts des Vermieters. Sofern eine Person aus diesem Personenkreis Eigenbedarf im Sinne des Gesetzes hat, kann der Vermieter dem Mieter ordentlich kündigen.

Als Familienangehörige sieht die Rechtsprechung bisher nur enge Verwandte an. Nichten, Tanten oder Cousinen zählen in der Regel nicht mehr zu dem Kreis. Allerdings gibt der Gesetzeswortlaut keine eindeutige Auslegung des Begriffs vor.

Weitere Haushaltsangehörige können Lebensgefährten sein, aber auch Pflegekräfte. Bewohnt beispielsweise eine pflegebedürftige Person bereits eine Eigentumswohnung im selben Haus, so kann der Eigenbedarf für den Pfleger damit begründet werden, dass dieser in der Nähe sein muss, um den Vermieter zu betreuen.

Übrigens: Falls mehrere Privatpersonen zum Kreis der Vermieter gehören, dann kann jeder für sich Eigenbedarf anmelden. Hat also zum Beispiel eine Erbengemeinschaft, die aus drei Geschwistern besteht, eine Wohnung geerbt, könnte theoretisch jeder der drei Eigenbedarf geltend machen (soweit die weiteren rechtlichen Voraussetzungen vorliegen). Sie müssen sich natürlich intern einigen.

Welche Kündigungsfristen gelten beim Eigenbedarf?

Die Kündigungsfristen für eine Eigenbedarfskündigung weichen nicht von den üblichen Kündigungsfristen für eine ordentliche Kündigung ab. Die Fristen sind in § 573c BGB festgelegt und richten sich nach der Dauer des Mietverhältnisses. So gelten in der Regel zunächst drei Monate. Nach fünf Jahren verlängert sich die Frist für den Vermieter um drei Monate und nach acht Jahren um weitere drei Monate. Außerdem ist zu beachten, dass es im Einzelfall eine Kündigungssperre von bis zu 10 Jahren geben darf, wenn die Wohnung nach der Umwandlung in eine Eigentumswohnung gekauft wurde. Auch im Mietvertrag kann die Kündigung wegen Eigenbedarf für eine begrenzte Zeit ausgeschlossen werden.

Wie muss der Vermieter in der Kündigung Eigenbedarf anmelden?

Viele Kündigungen scheitern, weil dem Vermieter Formfehler unterlaufen sind. Sowohl als Mieter als auch Vermieter müssen Sie also die formellen Vorgaben kennen:

  • Das Kündigungsschreiben wegen Eigenbedarf immer schriftlich, also auf Papier erstellt werden und dem Mieter übergeben bzw. per Post oder Boten zugestellt werden.Eine E-Mail, WhatsApp oder auch ein Fax sind nicht zulässig.
  • In der Eigenbedarfskündigung muss der Vermieter bereits ganz konkret aufführen, für welche Person der Eigenbedarf geltend gemacht wird, also z. B. für sich selbst, seinen Sohn oder seinen Lebensgefährten etc.)
  • Die Begründung des Vermieters dafür, dass er ausgerechnet die Wohnung des Mieters für sich bzw. seine Angehörigen benötigt, muss nachvollziehbar aufgeschrieben werden. Besonders relevant ist dieser Punkt, wenn der Vermieter mehr als eine Wohnung sein Eigentum nennt. Die Auswahl der Mieterwohnung muss begründet werden.
  • Es gelten teilweise sehr lange Kündigungsfristen. Der Vermieter muss in der Kündigung eine Angabe dazu machen, warum die Eigenbedarfskündigung zu diesem Zeitpunkt erfolgen soll. So könnte er beispielsweise aufführen, dass seine Tochter zu diesem Zeitpunkt ein Studium in der jeweiligen Stadt aufnehmen wird oder sich Familienzuwachs angekündigt hat.
  • Die Kündigungsfrist muss eingehalten werden. Entscheidend ist der rechtzeitige Zugang der Kündigung beim Mieter.
  • Soll für eine Eigentumswohnung Eigenbedarf angemeldet werden, muss die Sperrzeit (falls einschlägig) abgelaufen sein.

Ist ein Widerspruch gegen eine Eigenbedarfskündigung möglich?

Mieter haben die Möglichkeit, bis zwei Monate vor dem Auszugstermin bzw. zum Ende der Kündigungsfrist Widerspruch gegen die Eigen-bedarfskündigung einzulegen.

Der Widerspruch muss begründet werden und ist aus unterschiedlichen Gründen möglich.

  • Der Mieter kann sich auf Formfehler berufen. Hat er beispielsweise die Kündigung nur per Mail erhalten, dann ist dies ein Widerspruchsgrund.
  • Der Gesetzgeber nennt aber auch persönliche Gründe, auf die sich der Mieter berufen kann, nämlich die unzumutbare Härte. Diese kann beispielsweise vorliegen, wenn der Mieter sehr alt ist oder unter einer schweren Krankheit handelt. Solche Gründe müssen nicht dazu führen, dass die Kündigung komplett zurückgewiesen kann. Bei vorübergehenden Härtegründen verschiebt sich einfach der Kündigungstermin nach hinten.
  • Der Mieter kann auch gegen die Gründe des Vermieters vorgehen. So kann er beispielsweise einwenden, dass die Wohnung für die Zwecke des Vermieters gar nicht geeignet ist.
  • Wenn der Vermieter die Wohnung ausschließlich zu Gewerbezwecken nutzen will, ist die Eigenbedarfskündigung ausgeschlossen. Es ist allerdings möglich, einen Teil der Wohnung gewerblich zu nutzen. Hier muss man immer den Einzelfall prüfen.
  • Hat der Vermieter seine Begründung nur oberflächlich formuliert oder ist diese für den Mieter nicht nachvollziehbar, kann auch darin ein Widerspruchsgrund liegen.