Die Eröffnung eines Testaments sorgt nicht nur im Hollywood Filmen oft für Streit unter den Hinterbliebenen: Sobald ein gesetzlicher Erbe nicht im Testament erwähnt wird, ist er automatisch enterbt. Was aber tun, wenn die Angehörigen aus gutem Grunde befürchten, dass ein Erbschleicher den gutgläubigen Erblasser beeinflusst hat. Wenn man also einen Grund zur Annahme hat, dass man den Erblasser vor seinem Tod beeinflusst und zum Verfassen des Testaments gedrängt hat? Das ist zu beachten, wenn man ein Testament anfechten will.

Erbschleicher in der Familie

Dabei sind es nicht unbedingt Fremde, die sich bei älteren Personen mit Vermögen unter falschem Vorwand einschmeicheln. Oft sind die Erbschleicher aus der eigenen Familie. Erbschleicherei unter Geschwistern ist ein häufiger Ausgangspunkt für langwierige Prozesse. Betroffen sind dann oft Geschwister, die aufgrund der räumlichen Trennung keinen direkten Einblick in die Tagesabläufe der Eltern haben. Für diejenigen Geschwister, die aufgrund räumlicher Nähe regelmäßigen Kontakt pflegen, ist es dann einfach, die Eltern in der Gestaltung des letzten Willens zu beeinflussen. Doch kann man gegen alles, was umgangssprachlich als Erbschleicherei bezeichnet wird, juristisch vorgehen?

Drohung, Nötigung und Betrug: Dann ist Erbschleicherei strafbar

Die Grenzen sind in vielen Fällen fließend. Und für im Testament benachteiligte Kinder wird es oft nicht möglich sein, hier den Nachweis zu führen, dass der Vater oder die Mutter das Testament nicht aus freien Stücken errichtet haben. Und ohnehin: Erbschleicherei ist kein eigener Straftatbestand. Es kommt also auf den Einzelfall an. Handelt der Erbschleicher einfach „unmoralisch“, indem er beispielsweise die Geschwister vor den Eltern schlecht macht, ist die Grenze zur Strafbarkeit oft noch nicht erreicht. Anders liegt der Fall, wenn er etwa den Eltern absichtlich falsche Tatsachen vorspiegelt, um sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen. Oder wenn der Erbschleicher sogar das Mittel der Nötigung anwendet. In solchen Fällen ist eine Anfechtung des Testaments möglich.

Anfechtungsgrund: Unterdrückung oder Fälschung des Testaments

Ein Testament kann man in jedem Fall anfechten, wenn der Erbschleicher zum Mittel der Urkundenfälschung gegriffen hat. Etwa indem er Teile des Testaments selbst eingefügt hat oder sogar das gesamte Testament selbst aufgesetzt hat. Ein Graphologe kann in den allermeisten Fällen erkennen, ob die Handschrift tatsächlich vom Erblasser stammt oder von einem Dritten. Auch die Unterdrückung eines Testaments oder Teile des Testaments sind strafbar. Beispiel: Der Erblasser hat ein Testament durch ein späteres Testament widerrufen. Der Erbschleicher, der in Testament 1 begünstigt war, findet Testament 2 und verbrennt es. Testament 1 legt er dem Nachlassgericht vor. Er macht sich nicht nur der Urkundenunterdrückung strafbar, sondern auch der mittelbaren Falschbeurkundung. Denn bei Vorlage des Testaments muss er die Richtigkeit seiner Angaben eidesstattlich versichern

Testamentsanfechtung bei Erbunwürdigkeit nach § 2339 BGB

Wer den Erblasser widerrechtlich beeinflusst hat oder das Testament gefälscht bzw. unterdrückt hat, ist erbunwürdig im Sinne des § 2339 BGB. Die Erbschaft gilt dann als nicht angefallen. Es erbt stattdessen der gesetzliche Erbe, der ohne das beeinflusste Testament geerbt hätte, siehe § 2344 BGB. Die Erbunwürdigkeit wird vom Nachlassgericht geprüft, sobald das Testament angefochten wird. Die Frist für die Anfechtung läuft ein Jahr und beginnt mit dem Zeitpunkt der Kenntnisnahme über den Anfechtungsgrund. Die Anfechtungsklage kann jeder erheben, der durch die Feststellung der Erbunwürdigkeit einen Vorteil erhält. Nicht nur der direkte Erbe, sondern ggf. auch dessen Kinder, die zunächst nur mittelbar profitieren.

Testament anfechten – Inhalt der Anfechtungserklärung

Generell gibt es keine festen Vorgaben für den Inhalt einer Anfechtungserklärung. Eine Aussicht auf Erfolg hat die Anfechtung des Testaments nur, wenn auch Beweismittel für das Vorliegen eines Anfechtungsgrundes vorliegen. Beispiel: Der Anfechtende beruft sich darauf, dass die Unterschrift unter dem Testament gefälscht ist. Hier sollte möglichst ein Gutachten eines Sachverständigen beigelegt werden oder zumindest originale Schriftproben des Erblassers.

Die Anfechtung eines Testaments sollte diese Angaben enthalten:

  • Name und Adresse des Nachlassgerichts und Aktenzeichen der Testamentseröffnung,
  • Daten des Anfechtenden (Name, Anschrift, Anfechtungsberechtigung wie z. B. Kind des Erblassers),
  • Daten des Erblassers (Name, letzter Wohnort, Datum des Erbfalls),
  • Anfechtungsgrund mit genauer Erläuterung (nennen Sie auch den Zeitpunkt, an dem Sie vom Anfechtungsgrund erfahren haben, damit das Gericht die Anfechtungsfrist prüfen kann).
  • Beweise für das Vorliegen des Anfechtungsgrundes,
  • Forderung (wie z. B. Testament für unwirksam erklären),
  • Datum und Unterschrift des Anfechtenden.