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Testamentsgestaltung: Was ist möglich?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Ihren Angehörigen und Freunden Anteile am Nachlass zukommen zu lassen. Die exakt richtige Bezeichnung zu wählen, ist vor allem für Sie selbst wichtig. Andernfalls laufen Sie Gefahr, dass Ihr letzter Wille anders verstanden wird, als Sie es gemeint haben. Außerdem besteht andernfalls immer die Möglichkeit, dass Ihr Testament unwirksam ist, weil eine eindeutige juristische Auslegung gar nicht gefunden werden kann.

Gut zu wissen
  • Unterscheidung zwischen Erbe und Vermächtnis
  • Eine Möglichkeit sind Erben, Vor- und Nacherben
  • Auch Ersatzerben können bestimmt werden
  • Testament kann mit Hilfe eines Notar erstellt werden
  • Testament in einem Ehe- und Erbvertrag regeln

Erbe und Vermächtnisnehmer

Einer der häufigsten Fehler beim Verfassen von Testamenten ist leicht zu umgehen: Verwechseln Sie nicht die Begriffe Erbe und Vermächtnisnehmer! Ihr Erbe tritt zum Zeitpunkt Ihres Todes in Ihre Rechte und vor allem auch Pflichten ein. Er wird also Eigentümer des Nachlasses, aber auch Inhaber Ihrer Schulden. Anders ist es beim Vermächtnisnehmer. Dieser kann das, was Sie ihm vermacht haben, vom Erben herausverlangen. Das heißt, er erhält zunächst nur einen schuldrechtlichen Anspruch gegen den Erben auf Übereignung eines Gegenstandes oder Geldbetrages.

Sinnvoll ist es daher, denjenigen, der den Grossteil Ihres Vermögens erhalten soll, zum Erben einzusetzen. Wer lediglich einzelne Gegenstände oder einen Geldbetrag erhalten soll, sollte nur als Vermächtnisnehmer bezeichnet werden. Verwenden Sie  auch die Begriffe "vererben" und "vermachen" möglichst richtig.

Vor- und Nacherbe

Schwer verständlich erscheinen für viele Laien auch die Begriffe Vorerbe und Nacherbe. Was sich dahinter verbirgt, ist eigentlich ganz einfach zu erklären: Sowohl Vor- als auch Nacherbe sind Erben des selben Erblassers. Durch diese Regelung setzt der Erblasser fest, dass zunächst eine Person als Erbe eingesetzt werden soll (Vorerbe), nach einem bestimmten Zeitpunkt oder Ereignis die Erbschaft aber auf eine andere Person (Nacherbe) übergehen soll.

Klassisches Beispiel wäre folgendes: Der Großvater möchte seinem achtzehnjährigen Enkel ein Ferienhaus und die Hälfte seines Vermögens vererben. Wohl wissend, dass der Enkel sein Geld bisher auf Partys verprasste, setzt er dessen Mutter als Vorerbin bis zum dreißigsten Geburtstag des Enkels ein. Das heißt, die Mutter wird zunächst Erbin des Ferienhauses und des Vermögens. Am dreißigsten Geburtstag des Enkels geht das Eigentum an Ferienhaus und einen Anteil am Vermögen automatisch auf den nunmehr gereiften und vernünftigen Enkel über. Damit die Mutter das Ferienhaus nicht verkauft und das Geld Ihrerseits verprasst, können ihre Verfügungsmöglichkeiten während der Erbschaft beschränkt werden. Außerdem gehört nunmehr auch all das, was die Mutter mit Mitteln aus dem Nachlass erwirbt, zur Erbschaft.

Ersatzerbschaft

Der Ersatzerbe wird nur dann Erbe, wenn der zunächst eingesetzte Erbe zum Beispiel durch sein Versterben wegfällt. Wichtig dabei ist, dass dies vor dem Erbfall geschehen muss. Andernfalls vererbt der Ersatzerbe den Nachlass wiederum auf seinen Erben. Auch hier erscheint ein Beispiel für das leichtere Verständnis sinnvoll. Der Großvater setzt seine Tochter zur Alleinerbin und einen Tierschutzverein zum Ersatzerben ein. Der Großvater stirbt am 01.01.2015. Erleidet allerdings die Tochter bereits am 31.12.2014 einen tödlichen Unfall, so erbt der Tierschutzverein als Ersatzerbe anstelle der Tochter. Ereignet sich der Unfall hingegen erst am 02.01.2015, so hat die Tochter bereits geerbt. Daher fällt das Ererbte in Ihren Nachlass und geht auf ihre Erben über. Der Tierschutzverein geht leer aus.

Heike Richter
Fragen und Antworten zum Thema

 
 
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Wie kann ich alles meiner Tochter vererben? Ich bin verheiratet seit über 30 Jahren, unsere Ehe ist am Ende. Scheidung möchte ich in meinem Alter nicht mehr. Meine Mann hat eine Tochter und ich habe eine Tochter wir haben keine gemeinsame Kinder. Da ich erfahren habe, daß mein Mann angeblich eine andere hat, möchte ich ein Testament zu Gunsten meiner Tochter schreiben. Das in unserer Ehe erarbeitete Vermögen ist von meiner Seite aus finanziert worden (Erbschaften von meinen Eltern) mein Mann hat nichts, nur eine mini kleine Rente und außerdem lebt er von meinem Geld seit fast 20 Jahren. Wir haben geheiratet ohne jedliche Verträge (leider) Welche Möglichkeit besteht, das meine Tochter soviel wie möglich erbt und wie schreibe ich mein Testament? Oder ist es besser einen Notar einzuschalten, was natürlich mit Kosten verbunden ist, die ich zur Zeit nicht habe. Für eine kurze Antwort (ohne Verpflichtung) bin ich ihnen dankbar. Bitte an meine E-Mail Adresse, damit niemand meine Aktion mitbekommt. Falls meine Anfrage mit Geld oder anderem verbunden ist, bitte ich sie alles zu vernichten ich habe zwar Vermögen, aber kein Geld. Nochmals Danke
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gzg (10.12.2019)
Sie können ein Testament aufsetzen, in dem Sie Ihre Tochter zur Alleinerbin bestimmen. Ihr Ehemann ist damit dann automatisch enterbt. Allerdings hätte er dennoch Anspruch auf den gesetzlichen Pflichtteil (die Hälfte des gesetzlichen Erbteils). Die Tochter Ihres Mannes hat keinerlei gesetzliche Erbrechte. Im Fall einer Scheidung würde auch der Pflichtteil für Ihren Mann wegfallen. Es reicht hierfür, dass die Scheidung beantragt und der Scheidungsantrag zugestellt wurde. Da bei näherer Prüfung der Umstände noch weitere Aspekte relevant werden könnten, empfehlen wir Ihnen, sich ggf. individuell bei einem Anwalt oder Notar beraten zu lassen, bezüglich der Nachlassregelung. Sie könnten beispielsweise prüfen, ob es nicht sinnvoll ist, bereits jetzt einzelne Vermögensgegenstände auf die Tochter zu übertragen. Das kann man leider pauschal nicht einschätzen.
Redaktionsteam