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Selbstanzeigen kommen in Mode

von Karl-Hermann Leukert

Mit Steuer-CDs Geld verdienen, das wollen alle. Die einen, die die Software auf den Markt bringen, die anderen, die sie kaufen, um bei der Einkommensteuererklärung Geld zu sparen. Doch keiner war dabei so erfolgreich wie der deutsche Finanzminister. Und der musste die Steuer-CD der etwas anderen Art noch nicht einmal bezahlen. Schon die Drohung reichte aus, um 10.000 Steuerhinterzieher zur Selbstanzeige zu treiben. Geschätzt mehrere hundert Millionen Euro. Ein Erfolgsmodell, das fast zu gut klingt, um wahr zu sein.

Einziger Ausweg, wenn die Steuerhinterziehung aufzufliegen droht: Selbstanzeige.

Eben, denn die Sache hat wie immer einen moralischen Haken: Warum gehen Steuersünder straffrei aus, nur weil sie - bevor der Staatsanwalt seine Ermittlungen aufnimmt - ihre Missetaten bekennen? In die Sprache der kleinen Leute übersetzt, hieße das: Jeder Eierdieb braucht keine Strafe zu fürchten, wenn er sein Ei rechtzeitig zurück gibt. Oder anders: Hätte die Kassiererin ihren Rauswurf verhindern können, wenn sie den gestohlenen Pfandbon nicht eingelöst hätte?

Doch in dem Punkt kennt das deutsche Arbeitsrecht kein Pardon. Es geht nicht um den Wert des Diebesguts, sondern um den Diebstahl als solchen, um das gestörte Vertrauensverhältnis. Aber um wie viel mehr ist das Vertrauensverhältnis des Staates in seine Bürger gestört, wenn diese ihre Steuern nicht bezahlen? Und das der übrigen Bürger in den Staat, der solche Vergehen nicht verfolgt. Fragen über Fragen. Für alle, die an den Staat glauben, haben wir die selbstrechnenden und kostenlosen Steuerformulare 2010 im Programm.

Kommentare

Kommentare


Karlheinz Hunke

17.03.2010 um 20:52:00 Uhr

Es gibt ein altes Sprichwort: "Kleine Sünden werden bestraft und große....?" - werden in diesem Staat mit fetten Abfindungen belohnt. Für uns Bürger kaum zu verstehen. Wo bleibt da noch Raum für den Glauben an Gerechtigkeit? Wer Straftaten begeht, der muss auch bei Selbstanzeige zur Rechenschaft gezogen werden. Schließlich hat dieser sich auf Kosten seiner Mitbürger bereichert.

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Siegfried Riedlinger

16.03.2010 um 13:23:00 Uhr

Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Nur wahrscheinlich ist es so, dass diejenigen die (meistens erst auf öffentlichen Druck hin) die Gesetze machen, durchaus Verständnis für diese Handlungen haben. Nur eine überzeugte Einstellung zieht auch überzeugtes handeln nach sich.

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Andreas Milde

16.03.2010 um 12:01:00 Uhr

Aber um wie viel mehr ist das Vertrauensverhältnis des Staates in seine Bürger gestört, wenn diese ihre Steuern nicht bezahlen . . . . . wie wahr,wie wahr. Es gibt daran nichts zu ruetteln...... auch wer Steuern hinterzieht ist und bleibt ein Straftaeter. . . . . und zu Recht ruft (fast) jeder nach Bestrafung!! Nun stellt sich mir die Frage, wie soll mit den Taetern verfahren werden, die jedes Jahr die Steuergelder der braven Buerger und Buergerinnen verbrennen. Bisher gehen diese Herrschaften auch straffrei aus . . . . . aber vielleicht steckt ja hinter allem ein System! In diesem Sinne . . . . nur weiter so'! Andreas Milde

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