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Patient krank, Wirtschaft gesund!

von Karl-Hermann Leukert

Eine Wirtschaft, deren Arbeiter krank feiern, kann so krank nicht sein - diesen paradoxen Zusammenhang legen die neuesten Zahlen zur Krankenstatistik nahe. Danach waren im ersten Halbjahr dieses Jahres 3,58 Prozent aller Arbeitnehmer zum jeweiligen Stichtag krank geschrieben, das ist ein Zuwachs um mehr 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch alles halb so schlimm, denn Arbeitspsychologen sehen darin auch positive Aspekte. Wer Mut zum Fehltag hat, fürchtet offensichtlich nicht um seinen Arbeitsplatz. Die positiven Konjunkturdaten untermauern diese Theorie.

Doch die Flut der gelben Zettel kann auch noch andere Ursachen haben: Wer infolge des robusten Wirtschaftswachstums aus der Kurzarbeit direkt in den Schichtdienst wechselt und vermehrt Überstunden schiebt, belastet seinen Organismus und kann ernsthaft erkranken. Und von einer Nation der Blaumacher kann ohnehin nicht die Rede sein. Deutschlands Arbeitnehmer sind so gesund wie kaum in einem anderen Land der Welt. Spitzenreiter in Europa ist Frankreich mit über 7 Prozent Krankschreibungen. Dabei dürften die Arbeitsbedingungen kaum schlechter sein als in Deutschland.

Doch egal, ob die Arbeitnehmer wirklich krank sind oder nur krank feiern, der Krankenstand hat allemal das Zeug zum Konjunkturbarometer. Denn wer sich trotz Grippe zum Betrieb schleppt, hat offensichtlich Angst um seinen Arbeitsplatz. Sind die Wartezimmer dagegen voll, läuft die Wirtschaft auf Hochtouren. Demnächst horchen Ärzte nicht nur die Herztöne ab, sondern auch noch, ob der Wirtschaftsmotor stottert.

Mit der Krise geriet für viele ehrgeizige Angestellte auch die Karriere ins Stocken. Doch jetzt ist es an der Zeit, sich an einst gesteckte Ziele zu erinnern und wieder voll durchzustarten. In einem vitalen wirtschaftlichen Umfeld fällt die berufliche Umorientierung allemal leichter als in einer darniederliegenden Ökonomie. Nutzen Sie also den Aufschwung für einen professionellen Neuanfang.

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