Schwarze Pizzen im Internet |
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| Früher waren Restaurant-Tester eine seltene Spezies, hochbezahlte Edelfedern, ausgeschickt von Gastro-Magazinen, die ihre Leser auf außergewöhnliche Speiselokale aufmerksam machen wollten. Wie Geheimagenten durchstreiften sie die Republik auf der Suche nach kulinarischen Kostbarkeiten, speisten inkognito mit kritischem Gaumen, um im Anschluss ihre wertvollen Empfehlungen und Prädikate zu verleihen. | |||
"Oft hatten wir das Gefühl, das Essen vom Vortag in Ragoutform am nächsten Tag vorgesetzt zu bekommen", schrieb eine Testerin über ein Hotel auf Mallorca und: "Es ist ebenfalls nicht sehr appetitlich, im eigentlich leckeren Milchreis zum Nachtisch auf dicke Hautstücke zu treffen." Neben aufgebackenen Croissants und fehlenden Eierbechern stießen ihr auch noch schwarze Pizzen, verbrannte Pfannkuchen und halbgare Speisen auf. Ihr Fazit: "Eine kostengünstige Massenabfertigung von Deutschen." Der Hotelier schäumte - und schickte eine Unterlassungsklage. Doch die Frau weigerte sich auch dann, ihre vernichtende Kritik zurückzuziehen, als ihr der Kläger eine Gratiswoche in einem 4,5 Sterne-Haus am Strand anbot. Am Ende zog der deutsche Hotelier seine Klage zurück. Etwa eine halbe Million Hotelbewertungen kann man inzwischen im Internet finden, und es werden immer mehr. Im Zeitalter der Blogs gehört es inzwischen fast zum guten Ton, kurz nach dem Nachtisch den Rechner anzuschmeißen und seine Erfahrungen mit miesem Essen und unfreundlichem Service in die Tasten zu hauen. Für die Hoteliers ist diese schwatzende, nicht länger schweigende Mehrheit inzwischen zu einer gefährlichen Größe geworden. Denn immer mehr Urlauber konsultieren vor der Buchung eines der beliebten Bewertungsportale. Wer hier bei einem Reiseziel auf Kakerlaken im Badezimmer und tote Fliegen im Speiseöl trifft, hält nach einem anderen Hotel mit besseren Tests Ausschau. | |||
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