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Vorgesetzte sind dazu verpflichtet, scheidenden Mitarbeitern ein wohlwollendes Zeugnis auszustellen. Daher sind in
Arbeitszeugnissen selten eindeutig negative oder abwertende Formulierungen zu finden. Nur wer die Chiffrierkunst der Arbeitgeber versteht, kann ein gutes und ein schlechtes Arbeitszeugnis voneinander unterscheiden. Mit Chiffrierkunst ist also die Fähigkeit gemeint, eine scheinbar positiv klingende Aussage zu treffen, die jedoch auf der Metaebene nur eine befriedigende oder ausreichende Leistung beschreibt.
Die Geheimsprache basiert im Wesentlichen darauf, dass bestimmte Adjektive als Schlüsselwörter eingeflochten beziehungsweise weggelassen oder dass räumliche respektive zeitliche Einschränkungen gemacht werden. Die gebräuchlichsten Adjektive für eine sehr gute und gute Beurteilung sind: vollsten, voll, stets, immer, jederzeit und in jeder Hinsicht, außerordentlich, hervorragend. Üblich für eine ausreichende oder mangelhafte Bewertung sind hingegen Wertungen wie: im Großen und Ganzen, im Wesentlichen, weitestgehend, teilweise, bemüht, bestrebt, willens.
Zum besseren Verständnis haben wir Ihnen nachfolgend beispielhafte Arbeitszeugnis-Formulierungen zusammengestellt.
Note 1: Herr Schulz war stets sehr gut motiviert und verfügte über eine in jeder Hinsicht ausgezeichnete
Arbeitsbefähigung.
Note 2: Herr Schulz war stets gut motiviert und verfügt über eine in jeder Hinsicht gute Arbeitsbefähigung.
Note 3: Herr Schulz war gut motiviert und verfügt über gute Arbeitsbefähigung.
Note 4: Herr Schulz war ausreichend motiviert und zeigte eine zufriedenstellende Arbeitsbefähigung.
Note 1: Herr Bauer arbeitete jederzeit absolut zuverlässig, zielstrebig und zügig.
Note 2: Herr Bauer arbeitete sehr zuverlässig, zielstrebig und zügig.
Note 3: Herr Bauer arbeitete zuverlässig und zügig.
Note 4: Herr Bauer arbeitete ausreichend zuverlässig und zügig.
Note 1: Herr Hoffmanns Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets vorbildlich.
Note 2: Herr Hoffmanns Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war vorbildlich.
Note 3: Herr Hoffmanns Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war vorbildlich.
Note 4: Herr Hoffmanns Verhalten gegenüber Vorgesetzten war vorbildlich.
Note 1: Die ihm übertragenen Arbeiten erledigte Herr Lehmann stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.
Note 2: Die ihm übertragenen Arbeiten erledigte Herr Lehmann stets zu unserer vollen Zufriedenheit.
Note 3: Die ihm übertragenen Arbeiten erledigte Herr Lehmann zu unserer vollen Zufriedenheit.
Note 4: Die ihm übertragenen Arbeiten erledigte Herr Lehmann zu unserer Zufriedenheit.
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